Rechtlich-regulatorische Anforderungen – Einleitung

Bei der Entwicklung oder dem Betrieb eines Systems gibt es in der Regel Vorgaben, die Unternehmen und Organisationen einhalten müssen, um bestimmte Sicherheits-, Betriebs- oder Qualitätsstandards zu gewährleisten. Solche Anforderungen an ein System, die den Lösungsraum über das hinaus einschränken, was zur Erfüllung der gegebenen funktionalen Anforderungen und Qualitätsanforderungen notwendig ist, werden als Randbedingungen (engl. constraints) bezeichnet.1 Diese Anforderungen können gesetzlich, organisatorisch (z. B. zeitliche Vorgaben) oder technisch (z. B. konkrete Technologievorgaben) sein.2 Organisatorische und technische Vorgaben sind stark abhängig vom jeweiligen Projektsetting und können nicht ohne Weiteres auf einen anderen Projektkontext übertragen werden. Daher wird in DREAM auf rechtlich-regulatorische Anforderungen fokussiert, die projektübergreifend Gültigkeit haben und die größtenteils auch auf Umsetzungsvorhaben außerhalb des DREAM-Projekts übertragen werden können.

Rechtliche Anforderungen ergeben sich aus verbindlichen Rechtsvorschriften – EU-Verordnungen, nationalen Gesetzen und Rechtsverordnungen – und bewahren meist über eine längere Zeit unverändert ihre Gültigkeit. Regulatorische Anforderungen umfassen neben diesen verbindlichen rechtlichen Anforderungen auch Vorschriften und Standards, die von nicht-staatlichen Organisationen oder Branchenorganisationen festgelegt werden. Ein Beispiel dafür sind Normen, die dem Stand der Technik in einem bestimmten Bereich Rechnung tragen und die kontinuierlich und dynamisch weiterentwickelt werden.

Formulierung der Anforderungen

Zur Formulierung der Randbedingungen wurden Satzschablonen verwendet, wie sie häufig im Requirements Engineering anzutreffen sind.3 Satzschablonen bieten eine vordefinierte syntaktische Struktur für natürlichsprachliche Anforderungen. Dadurch erhalten diese Anforderungen eine klare und gleichartige Struktur, die den Interpretationsspielraum reduziert und zur Vermeidung von Missverständnissen beiträgt.

Die abgeleiteten Anforderungen wurden so formuliert, dass die DREAM-Lösung den jeweiligen Adressaten dabei unterstützt, seiner jeweiligen Verpflichtung nachzukommen, oder ihm dies zumindest nicht erschwert oder gar unmöglich macht (Beispiele: „Die DREAM-Lösung muss dem Verantwortlichen die Möglichkeit bieten, …“ oder „Die DREAM-Lösung muss den Verantwortlichen dabei unterstützen, …“). Auf diese Weise sollen die Anforderungen dabei helfen, die DREAM-Lösungen so zu entwerfen sein, dass sie immer korrekt (d. h. gesetzeskonform) bedient werden können oder reagieren.

Zur besseren Übersichtlichkeit wurden die rechtlich-regulatorischen Anforderungen 25 logischen Kategorien zugewiesen, z. B. Entwicklung (DEV), Bereitstellung und Betrieb (OPS) und Ressourcenmanagement (RES).


  1. Martin Glinz (2025), Glossar der Requirements Engineering Terminologie. Version 2.2.0. IREB. ↩︎

  2. Stan Bühne & Andrea Herrmann (2024), Handbuch Requirements Management. Verfügbar unter: https://cpre.ireb.org/de/downloads-and-resources/downloads#cpre-requirements-management-handbook ↩︎

  3. Vgl. z. B. Chris Rupp & Sophist Group (2004): Requirements-Engineering und -Management: Professionelle, iterative Anforderungsanalyse für die Praxis. 3. Auflage. Hanser; Horst Peterjohann (2025): Satzschablonen. Verfügbar unter: https://www.peterjohann-consulting.de/satzschablonen/ ↩︎